Charakterisierung des Tambourmajors in Büchners Drama Woyzeck – als Beispiel

Charakterisierung des Tambourmajors in Büchners Drama „Woyzeck“

Charakterisierung des Tambourmajors in Büchners Drama Woyzeck - als Beispiel

Grundlagen: Szenen „Die Stadt“ (15f.), „Buden, Lichter, Volk“ (17f.), „Kammer“ (23), „Wirtshaus“ (31), „Wirtshaus“ (32f.)

Arbeitsauftrag

Charakterisieren Sie die Figur des Tambourmajors in Büchners Drama „Woyzeck“ anhand der oben genannten Szenen.

Charakterisierung

Georg Büchners Dramenfragment „Woyzeck“, erschienen im Jahre 1879, handelt von dem Soldaten Franz Woyzeck, welcher aufgrund sozialer Determination seine Freundin Marie umbringt.
Die vorliegenden Textstellen sind um den Tambourmajor zentriert, welcher um die Gunst von Woyzecks Freundin kämpft und sich zudem einer körperlichen Auseinandersetzung mit Woyzeck liefert und diese gewinnt.

Dem Tambourmajor ist im ganzen Stück kein Name zugeschrieben (vgl. Personenverzeichnis) und wird nur als Vertreter einer sozialen Schicht bzw. als Vertreter seines Berufes als „Leiter des Musikkorps eines Regiments“ (S.15 Anmerkung), betrachtet.
Er wird von den Damen vor allem wegen seiner äußeren Erscheinung bewundert, da er „ […] wie ein Baum“ (S.16, Z.3) und „[auf Füßen stehend] wie ein Löw“ (S.16, Z.4), beschrieben wird, was auf körperliche Stärke und Anmut zurückzuführen ist. Der Tambourmajor muss zudem eine „[Brust wie ein Rind […] und ein Bart wie ein Löw […]“ (S.23, Z.19f.) haben. Er ist dementsprechend ein Mann mit einem muskulären, stählernderen Körperbau sein, was auf eine Frau beeindruckend wirkt und als unwirklich, im positiven Sinne, beschrieben wird (vgl. S.23, Z.19f.).

Zudem verbringt er den Großteil seiner Zeit in einer Uniform (vgl. S.15, Regie Z.31), was unter anderem nicht nur seinen Beruf, sondern auch seine respektable Wirkung auf die Gesellschaft unterstreicht (vgl. S.16, Z.3-7). Er wird, wie zuvor schon genannt, als eine Art Hauptattraktion des Zapfenstreiches gesehen und die Bewunderung seitens Marie und Margarethe signalisieren vor allem, dass der Tambourmajor neben seinem Aussehen, welches direkt auf sein Inneres übertragen wird (vgl. Z.3-9), als ein potenzieller Versorger der Familie gesehen wird (vgl. S.16, Z.3). Auch wenn er von seinem militärischen Rang auf gleicher Stufe mit einem Soldaten steht, scheint er mit seiner stolzen und überlegenen Art, erfolgreicher und beliebter in der Gesellschaft zu sein (vgl. S.16, Z.4). Er steht in einer guten Beziehung zu dem Unteroffizier, welcher vom militärischen Rang höher gestellt ist, was sein Ansehen zudem aufwertet (vgl. S.18, Z.22-26).

Jedoch betrachtet er, genau wie sein Kumpane, das weibliche Geschlecht „[…] zum Fortpflanzen von Kürassierregimenten und zur Zucht von Tambourmajors […]“, (S.18, Z.25f.) und sieht somit ihren menschlichen Wert rein als sexuelles Spaß- und Fortpflanzungsmittel. Außerdem werden die Frauen von ihm als Objekt behandelt. Der Tambourmajor ist sich seiner Wirkung auf Frauen bewusst, was ihn sehr selbstsicher und arrogant wirken lässt (vgl. S.23, Z.21ff.). Diesen Bann, den er über die Frauen, insbesondere Marie, zu legen scheint, zeigt Wirkung, da diese ihn Stolzieren sehen möchte, um seine Anmut zu betrachten (vgl. S. 23, Z.18f.). Des weiteren wertet er sich selbst immer wieder auf und versucht durch Aussagen wie: „[…] Marie, der Prinz sagt immer: Mensch, Er ist ein Kerl“, (S.23, Z.23f.) sich einen höheren gesellschaftlichen Stand zuzuschreiben, den er aber nicht besitzt, was vor allem seine Selbstüberzeugung und auch ein Stück Hinterlist widerspiegelt.

Diese Scheinvorstellung der ungefähren Gleichsetzung der sozialen Stände, stellt vor allem seine Sturköpfigkeit dar, denn er ist überzeugt von dem, was er von sich preisgibt (S.23, Z. 21-24). Seine Wirkung aufgrund solch aufwertender Aussagen überträgt sich aber direkt auf die Gesellschaft, hier Marie, welche ihn nicht als „Kerl“ (vgl. S.23, Z.24), sondern als „Mann“ (S.23, Z.25) beschreibt. Neben seiner Bewunderung für das Äußerliche von Marie, legt er zugleich auch offen, dass sie Schönheit und die Sexualität einer Frau, das einzige Gut ihrer selbst ist (vgl. S. 23, Z.26ff.).

Diese Auffassung, welche zuvor schon mehrmals aufgefallen ist, wird zum anderen an der Sicht auf Marie als Zuchttier deutlich. „[…] [W]ir wollen eine Zucht von Tambourmajors anlegen. He?“

(s.23, 27f.), unterstreicht seine Objektivisierung einer Frau, die den Brutkasten für die Sicherung seiner Familie darstellen soll (vgl. S.23, Z.26ff.). Seine Skrupellosigkeit und seine Ignoranz gegenüber der Werte des anderen Geschlechts, stellen vor allem dar, dass es ihm nicht um die inneren Werte einer Person, sondern um den Nutzen, den er aus ihr ziehen kann, geht (vgl. S.23, Z.26 – S.24, Z.1). Dass er ein Mann ist, welcher sich seinen Trieben hingibt, wird deutlich, indem er ohne zu fragen, Marie körperlichen Kontakt aufdrängt und sie „Wild Tier“ (S.23,Z.30) nennt. Es ist hinzuzufügen, dass der Tambourmajor eine Abfuhr nicht gewöhnt ist und beschuldigt sie vom Teufel besessen zu sein (vgl. S.23, Z.32), was unterstreicht, dass er die Bewunderung und Hingabe für die Aufwertung seines Egos benötigt. Jedoch wird anhand dieser Textstelle auch hervorgehoben, dass er eine sehr starke äußerliche Anziehungskraft besitzt, da sich Marie am Ende doch auf einen sexuellen Kontakt mit ihm einlässt (vgl. S.24, Z.1). Seine arroganten und rücksichtslosen Charakterzüge werden deutlich, als er Marie am helllichten Tag zum Tanz ausführt, wo jeder Bürger sehen kann, dass er Marie erobert hat (S.31, Z.7f.). Er lässt es sich also nicht nehmen, seine Errungenschaften der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Neben diesem Drang, hat er oftmals das Bedürfnis, sich körperlich mit anderen Männern zu messen, um somit nicht nur sein Ansehen bei den Frauen, sondern insbesondere seine Überlegenheit im männlichen Kreise zu unterstreichen (vgl. „Wirtshaus“). Sein Ausruf „Ich bin ein Mann! (schlägt sich auf die Brust) ein Mann sag ich,“ (S.32, Z.23f.) ist eine ganz klare Demonstration seiner Selbstüberzeugung in Bezug auf seine Männlichkeit. Er sprudelt nur so von Eigenlob. Dies wird belegt durch die Aussage „Wer kein besoffen Herrgott ist, der lass sich von mir“ (S.32, Z.25f.), wodurch er deutlich macht, dass kein anderer Mann es mit ihm aufnehmen kann aufgrund seiner mentalen und körperlichen Überlegenheit. Man sollte aber auch beachten, dass er indirekt und unbewusst immer wieder auf seinen eigentlich niedrigen sozialen Stand, durch eine fehlerhafte und vulgäre Sprache (vgl. „[…] die Nas ins Arschloch prügeln“ (S.32, Z.26)), anspielt. Um sein Können zu beweisen, provoziert er bewusst seine Mitmenschen, hier ausgerechnet Woyzeck (vgl. S.32, Z.27f.).

Mit diesem Kampf möchte der Tambourmajor seine Überlegenheit gegenüber Woyzeck demonstrieren und stellt sich als der stärkere dar (vgl. S.33, Z.2ff.). Diese Animalität, die er an den Tag legt, wirkt zwar einschüchternd, lässt zugleich aber auch sein Ansehen in der Gesellschaft steigen. Dies wird deutlich an der Unterstützung der „Eine[n]“ (siehe Rolle), welche hinter dem Tambourmajor stehen und in seiner Beliebtheit unterstützen.


Insgesamt lässt sich zu der Entwicklung der Rolle des Tambourmajors sagen, dass er vor allem durch die Bestätigung und Aufmerksamkeit Maries, sich noch weiter in eine behauptendere, selbstsicherere und angeberische Person verwandelt, die aber jede Frau für einen hübscheren Mann verlassen würde. Zu seinem Charakter lässt sich abschließend sagen, dass er keinen tiefgehenden, emotionalen Charakter hat, da alle seine Handlungen oberflächlich und auf Äußerlichkeit gerichtet sind.


In dem Drama nimmt er die Rolle eines Repräsentanten für seinen Beruf und seinen Stand ein und steht primär für die Verkörperung eines Mannes zur Vormärzzeit, welcher das weibliche Geschlecht nur zugunsten seiner selbst und nicht als Mensch, sondern als Objekt der Fortpflanzung und Lust behandelt.

Julia, 11. Klasse Gymnasium. Die Charakterisierung des Tambourmajors in Büchners Drama Woyzeck wurde mit der Note 1- bewertet.

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