Beispiel Geschichtsklausur in der Oberstufe / Geschichte LK

Thema: Europa unter Napoleon bis 1806, Entwicklung Nationalbewusstsein

Text: 14. Rede Johann Gottlieb Fichte, aus der Vorlesung „Reden an die deutsche Nation“ in Berlin 1807 / 1808 (https://amzn.to/37kUPTk)

Aufgaben:

  1. Quellenanalyse
  2. Einordnung in einen historischen Kontext
  3. Beurteilung vor dem Hintergrund der Situation und der Entwicklungen

Zu Aufgabe 3: Beurteilung

vor dem Hintergrund der Situation und der Entwicklungen

Fichte versucht mit seiner Rede ein Nationalbewusstsein in den Deutschen hervorzurufen. Im Zeitraum, in dem er seine Rede gehalten hat, hat sich vor allem in Preußen einiges geändert. Durch den Frieden von Tilsit war Preußen gezwungen hohe Reparationszahlungen an Frankreich zu zahlen, doch sie waren in ihrer damaligen wirtschaftlichen Situation nicht in der Lage dazu.

Außerdem wollten sie die französischen Besatzer endlich abschütteln und wieder selbst die Kontrolle über ihr Land erlangen.

Dies geschah durch die preußischen Reformen. Denn hierbei wurden nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Bildung und das Heer- und Agrarwesen reformiert. Es gibt gespaltene Meinungen bezüglich des Erfolges dieser Reformen.

Der Historiker Thomas Nipperdey zum Beispiel ist der Meinung, dass die Reformen unvollständig waren und die Gesellschaft noch nicht bereit war für so tiefgehende Reformen. Er benennt außerdem den Adels als ein großes Hindernis für die Modernisierung, da der Adel gegen die Abschaffung seiner Privilegien und Sonderrechte war, er aber gleichzeitig finanziell sehr wichtig war. Ein anderer Historiker mit einer anderen Sicht ist Hans-Ulrich Wehler. Laut ihm waren die Reformen in Preußen erfolgreich und dabei spricht er vor allem von den Wirtschaftsreformen und den Bildungsreformen, die den Fortgang der Gesellschaft beziehungsweise die Entwicklung stark vorangetrieben hat. Er geht sogar so weit, dass er sagt, dass die erfolgreichen Reformen den Verfassungsrückstand ausgleichen.

Nipperdey stimmt mit Wehler in dem Punkt überein, dass es keine moderne Verfassung beziehungsweise einen Verfassungsrückstand gab.

Aber eine Sache, die Nipperdey gar nicht erwähnt, ist der Einfluss der Französischen Revolution und Napoleons.

Wehler hingegen hinterfragt in was für einem Maße die Reformen ohne den Einfluss erfolgreich gewesen waren.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich einige Gemeinsamkeiten feststellen lassen aber die beiden Historiker sich doch unterscheiden, was die Meinung betrifft. Wehler spielt mit der Erwähnung Napoleons aber auf etwas an. Denn Napoleon hat nicht nur die Reformen in Deutschland zum Erfolg gebracht, sondern durch ihn wurde etwas noch viel wichtigeres deutlich. Es entstand das erste mal ein Nationalbewusstsein der Deutschen.

Denn als sie die Besetzung Napoleons endlich als Fremdherrschaft erkannt haben, überkam sie, vor allem nach Napoleons Niederlage im Russlandfeldzug, eine Wut und ein Hass. Es entsteht der emanzipatorische Nationalismus, das beutet von unten, also vom Volks aus.

Die Deutschen wollen sich von der Fremdherrschaft Frankreichs befreien und wollen sich gleichzeitig von der inneren Unfreiheit befreien, indem sie Mitsprache fordern.

Auch in Fichtes Rede wird vom emanzipatorischen Nationalismus gesprochen, denn er selbst ist ein Bürge, also keine herrschende Person, daher handelt es sich nicht um integralen Nationalismus. Denn er fordert bereits 1807 / 1808, dass die Deutschen etwas verändern und sich nicht von Napoleon unterdrücken lassen.

Doch mit dem Beginn der Befreiungskriege war endgültig ein deutsches Nationalbewusstsein geschaffen worden, denn alle Bürger kämpften für ihre Unabhängigkeit und für das deutsche Vaterland, egal welchem Stand oder welcher Konfession sie angehörten.

Man kann also sagen, dass Napoleon Deutschland und ganz Europa geprägt hat. Er hatte aber vor allem in Deutschland einen großen Einfluss auf den Nationalismus. Man kann sagen, dass er eigentlich durch ihn erst entstanden ist und dann aber bestehend blieb. Auch wenn sich dieser Nationalismus während der Zeit des zweiten Weltkriegs zum negativen gewendet hat, weil da der Nationalismus zum Nationalsozialismus wurde. Doch aus Sicht der Deutschen hatte die napoleonische Zeit einige Vorteile. Zum einen hat sich das Nationalbewusstsein gebildet, zum anderen waren die Reformen, die durch ihn durchgesetzt wurden essentiell für die Weitentwicklung Deutschlands und vor allem für Preußen waren die Reformen wichtig auch als Einstiegspunkt für die Industrialisierung. Auch wenn sie, wie Nipperdey sagt, nicht komplett vollständig waren.

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Aufgaben (Beispiellösungen)

  1. Beispiel einer Quellenanalyse
  2. Beispiel einer Einordnung in einen historischen Kontext
  3. Beispiel einer Beurteilung vor dem Hintergrund der Situation und der Entwicklungen

Musterformulierungen

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